KI & echte Bilder: Bin ich besorgt?
KI ist überall. In Bildern, in Texten, in Stimmen. Man scrollt durch Social Media, sieht ein beeindruckendes Bild und fragt sich: Ist das echt? Oder hat das jemand einfach generiert? Und plötzlich steht da diese leise Frage im Raum: Wird Fotografie irgendwann überflüssig? Ist das, was ich mache, noch wichtig?
Und ich glaube, wir brauchen beides: Technologie und Tiefe. Möglichkeiten und Menschlichkeit. Und wir brauchen Räume, in denen wir ehrlich darüber sprechen können, was uns wirklich berührt.
Was ist echt – und spielt das überhaupt noch eine Rolle?
Wir leben in einer Zeit, in der man alles sehen kann – aber nicht mehr alles glauben muss. Bilder zeigen uns Welten, die es nie gegeben hat. Pferde mit Mähnen wie flüssiges Gold, Landschaften wie aus Träumen, Lichtstimmungen, die kein Wetter je so gezeichnet hätte. KI macht es möglich. Schnell, beeindruckend und manchmal eben auch täuschend echt.
Ich verstehe den Reiz. Diese Technologie eröffnet neue kreative Räume. Sie kann faszinieren, inspirieren, verführen. Aber sie wirft auch Fragen auf. Wenn alles machbar ist: Was ist dann noch wahr? Und berührt uns das künstlich Erschaffene genauso wie ein gelebter Moment?
Ein Versuch den Hintergrund eines alten Bildes mit KI auszutauschen. Heute würde ich die Pferde von vornherein anders Positionieren.
Ich sehe KI als Werkzeug – nicht als Ersatz
Ich arbeite mit KI, ja. In der Fotobearbeitung kommt sie punktuell zum Einsatz – etwa bei der Retusche von Halftern, Zäunen oder anderen kleinen Elementen, die den Ausdruck eines Bildes stören, aber nicht wesentlich zum Inhalt gehören. Wenn sie nicht bildrelevant sind, ersetze ich sie – vor allem, wenn sie die Ruhe oder Tiefe des Moments überdecken würden. Besonders bei Kundenshootings liegt mir aber viel an Authentizität. Die Bilder sollen euch zeigen, nicht eine Traumwelt.
Ich glaube, KI ist wie jedes Werkzeug: neutral. Es kommt darauf an, wer sie nutzt, wie bewusst und mit welcher Absicht. Für mich ist sie ein kreatives Mittel. Manchmal probiere ich sie aus, aus Neugier, aus künstlerischem Antrieb. Aber sie ersetzt mir niemals den echten Moment. Denn der entsteht zwischen Wesen, nicht in Daten.
Wenn KI zur Kunst wird
Es gibt Bilder, bei denen ich bewusst mehr mit KI arbeite. Weil sie mir einen kreativen Spielraum eröffnen, den ich so mit der Kamera nicht umsetzen könnte. Das sind keine klassischen Kundenshootings, sondern persönliche Projekte, künstlerische Experimente – Räume, in denen ich frei gestalten darf. Mal mit Licht, das so in der Natur nie da war. Mal mit Stimmungen, die mehr erzählen als dokumentieren.
Ich sehe diese Bilder nicht als „Ersatz“ für echte Fotografie, sondern als Erweiterung meiner Ausdrucksform. Sie entstehen nicht, um zu täuschen – sondern um zu forschen, zu fühlen, auszuprobieren. Manchmal ist ein Bild einfach nur ein Spiel. Und manchmal wird aus diesem Spiel ein kleines Kunstwerk. Auch das darf Platz haben. Solange klar ist: Es ist nicht dasselbe wie ein gelebter Moment. Es ist eine andere Sprache. Und ich wähle bewusst, wann ich sie spreche.
Künstlerische Bearbeitung mit KI
Shootings sind für mich mehr als Bilder
Und dann gibt es ja noch komplett KI-generierte Bilder und ja diese können ästhetisch sein, keine Frage. Es kann beeindrucken, faszinieren, sogar inspirieren. Aber für mich bleibt es genau das: ein generiertes Bild. Ohne Geschichte. Ohne Moment. Ohne Erinnerung. Es zeigt vielleicht etwas Schönes, aber es erinnert dich an nichts. Und genau das ist der Unterschied, der für mich zählt.
Wenn ich fotografiere, geht es mir nicht nur ums Ergebnis. Es geht mir um das, was beim Fotografieren geschieht. Um das Lächeln, das nicht geplant war. Den Atemzug, den du noch gespürt hast. Das Geräusch deines Pferdes, das durch die Wiese läuft. All diese kleinen, lebendigen Dinge, die ein Bild zu einer Erinnerung machen. Du sollst später nicht nur sagen können: Das sieht schön aus. Sondern: Das war ein besonderer Tag. Das waren wir. Genau so.

Grundbearbeitetes Bild

Fine Art mit KI

KI kann viel – aber nicht erinnern
Wie viel KI für jemanden in Ordnung ist, darf jede*r für sich entscheiden. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur unterschiedliche Wege. Auch ich nutze KI und ich finde es spannend, wie viele Möglichkeiten sich dadurch öffnen. Aber für mich ist klar: Diese Bilder ersetzen nicht, was ich mit der Kamera festhalte. Sie sind ein Spielraum, kein Ersatz für erlebte Tiefe.
Denn ein echtes Shooting ist mehr als ein Bild. Es ist ein Moment, der wirklich passiert. Etwas, woran du dich erinnern kannst. Du warst da, dein Tier war da, das Licht war echt, der Wind, der Ausdruck, das Gefühl. Und genau darin liegt für mich der Wert: nicht nur im Bild selbst, sondern in der Tatsache, dass es ein Zeugnis deines gelebten Moments ist. Keine Idee. Kein Konstrukt. Sondern Erinnerung.

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